Friedemann Wiese

Friedemann Wiese studierte Sozial- und Kulturanthropologie an der FU Berlin und der Universität des Baskenlandes in Donostia-San Sebastián sowie Politikwissenschaft und Psychologie in Frankfurt am Main. Nach, zwischen und während seines Studiums arbeitete er in der  politischen Erwachsenenbildung, im  Kulturbereich und der Landwirtschaft in Deutschland, Kanada, Guatemala und Mexiko. Außerdem absolvierte er Praktika in Kenia und Tansania und forschte dort ethnografisch zur Permakulturbewegung.

Friedemanns Forschungsschwerpunkte sind soziale Bewegungen und Proteste sowie soziale Ungleichheit, (Post)kolonialismus und Politische Ökologie. Neben ökologischen Graswurzelbewegungen beschäftigen ihn Konflikte im Kontext von Arbeitsbeziehungen, besonders in Ostdeutschland. Im Promotionsprojekt Die Aushandlung von Arbeit im Umfeld der Gigafactory Grünheide und ihre Verbindung zu einer sozial-ökologischen Transformation bringt er die Themen Arbeit und Ökologie zusammen. Darüber hinaus engagiert sich Friedemann in lokalen Solidaritätsnetzwerken und ist Mitglied des Redaktionskollektivs Ostjournal.

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Kontakt: friedemann.wiese[at]hwr-berlin.de

Abstract

Die Aushandlung von Arbeit im Umfeld der Gigafactory Grünheide und ihre Verbindung zu einer sozial-ökologischen Transformation

Arbeit ist in den letzten Dekaden vielerorts prekärer geworden – auch in Deutschland, selbst in lange als sicher geltenden Branchen. Lange erkämpfte Lohnniveaus und Arbeitsstandards sind aufgeweicht und ausgehebelt. Durch Leiharbeit, Flexibilisierung und Subunternehmertum sind Arbeitsdruck und Arbeitsplatzunsicherheit gestiegen. In der Automobilindustrie gefährden zudem Digitalisierung, Antriebswende und Managementfehler zahlreiche Arbeitsplätze und deren Qualität. Vor diesem Hintergrund warb Tesla mit der Aussicht auf neue Arbeitsplätze und mit Elektromobilität als vermeintliche Antwort auf die Klimakrise für den Bau einer neuen Autofabrik in Grünheide, Brandenburg. Das Projekt stieß jedoch von Beginn an auf Widerstand: Anwohnende und Umweltverbände kritisierten Waldrodungen, Artenverlust sowie die Zuspitzung des regionalen Wassermangels und eine mögliche Gefährdung des Grundwassers. Durch die internationale Vernetzung mit der Klimagerechtigkeitsbewegung erhielten die Proteste breite Aufmerksamkeit.  Innerhalb der Fabrik wiederum initiierte die IG Metall ein Organisierungsprojekt und setzte Schwerpunkte auf die Themen Gesundheit und Arbeitsschutz.

Das Forschungsprojekt untersucht mit Hilfe ethnografischer Methoden, wie Arbeit in Teslas Autofabrik verhandelt wird und wie sich diese Aushandlungen zu Prozessen sozial-ökologischer Transformation verhalten. Im Mittelpunkt steht die Perspektive der Beschäftigten, vor allem in der Produktion: Wie nehmen sie ihre Arbeit wahr, wie fügt sie sich in ihre bisherigen Arbeits- und Lebensrealitäten ein, und welche individuellen oder kollektiven Formen der Aushandlung lassen sich im Betrieb beobachten? Darauf aufbauend wird der Frage nachgegangen, wie diese Formen im Zusammenhang mit dem ökomodernistischen Transformationsprojekt Teslas stehen und inwiefern die Verknüpfung von Arbeit und Ökologie – wie sie in Gewerkschaften, Klimagerechtigkeitsbewegungen und wissenschaftlichen Debatten verhandelt wird – eine Rolle spielt. Anknüpfungspunkte liefert dafür die anthropologische, soziologische und politikwissenschaftliche Literatur zu den Themen Arbeit, Ökologie und Transformation. Besonders berücksichtigt werden dabei Ansätze aus den Environmental Labour Studies sowie Forschungen zu Arbeitsregimen und zur Just Transition.